Eine rasche Diagnose ist essentiell.

Sektion Rheuma-, Hand- und Infektionserkrankungen

 

Leitung ​Ass.-Prof. PD Dr. Mathias Glehr
​1. Stv. OA Dr. Karin Tanzer
​2. Stv. ​OA Dr. Philipp Walter Lanz

Allgemeines zu Rheumatischen Erkrankungen

Unter dem Begriff "Rheuma" werden etwa 300 Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates zusammengefasst. In das Fachgebiet der Orthopädie fallen hier vor allem die entzündlich-rheumatischen Gelenkserkrankungen.
  • Chronische Polyarthritis
  • Ankylosierende Spondylarthritis
  • Reaktive Arthritis
  • Juvenile chronische Arthritis
  • Entheropatische Arthritis
An einer chronischen Polyarthritis, auf die wir im folgenden Text näher eingehen, leiden 1-2% der Österreicher. Dabei kommt es auf Grund einer entzündlichen Wucherung (Proliferation) der Gelenksinnenhaut (Synovia) zu einer Zerstörung (Destruktion) und im Endstadium zu einer Versteifung (Ankylose) der befallenen Gelenke.
Weiters kommt es im Verlauf der Erkrankung auch zur Destruktion von Sehnen und Bändern mit Gelenksinstabilität, welche im Bereich der Halswirbelsäule zu einer lebensbedrohlichen Instabilität zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel und auch zu Sehnenrupturen (Rissen) mit Funktionsverlust vor allem der Finger führen kann.

Symptome

Die Patienten leiden an einer Morgensteifigkeit und Schwellungen im Bereich von einem oder mehreren Gelenken. In weiterer Folge wird das Auftreten von so genannten Rheumaknoten, unter der Haut gelegenen Verdickungen, beobachtet.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung ist es erforderlich, so rasch als möglich zu einer Diagnose zu kommen. Auf Grund des chronischen Verlaufes mit irreversiblen Gelenks- und Sehnenschäden ist eine frühe Diagnosestellung essentiell, um die richtige Therapie zur Vermeidung von Folgeschäden einleiten zu können.
Die Diagnose wird auf Grund der typischen klinischen Zeichen in Kombination mit dem radiologischen Befund, in welchem die typischen Gelenksveränderungen sichtbar sind, und den im Blut eventuell nachweisbaren Rheumafaktoren gestellt.

Konservative (nicht-operative) Therapie

Die Therapie der chronischen Polyarthritis ist eine fächerübergreifende.
  • Hausarzt: übernimmt die allgemeinmedizinische Versorgung und die Koordination der einzelnen Fachbereiche
  • Rheumatologie: übernimmt die lokale und systemische medikamentöse Therapie
  • Ergotherapie/Physiotherapie: sollen den Patienten durch Rehabilitation, Funktionsaufbau, Gelenksschutz und Hilfe im täglichen Leben im Umgang mit der Erkrankung helfen
  • Orthopädie: Die Aufgabe des Facharztes für Orthopädie ist die Betreuung des Patienten im Hinblick auf Gelenksfunktion und Prävention

Operative Therapie

Da wie bereits erwähnt die Destruktion der Gelenke, Sehnen und Bänder von der Synovia ausgeht, ist eine frühzeitige Synovektomie (operative Entfernung der Gelenksinnenhaut oder Sehnenscheide) essentiell für den Verlauf der Erkrankung, um irreversiblen Schäden der Gelenke vorzubeugen. Hierbei wird das befallene Gelenk entweder eröffnet oder mittels Knopflochchirurgie (arthroskopisch) die entzündlich veränderte Gelenksinnenhaut entfernt.
Weitere operative Therapiemöglichkeiten:
Bei bereits bestehenden irreversiblen Gelenksschäden ist das Ziel der operativen Therapie eine Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung sowie eine Invaliditätsverhütung oder -minderung. Hierfür stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
  • Weichteilrekonstruktionen:
    Bei im Rahmen der Erkrankung aufgetretenen Sehnenrupturen kann man diese durch Sehneninterponate (Ersatz durch körpereigenes Gewebe) oder Verlagerungen rekonstruieren. Auch bei aufgetretenen Deformitäten kann man diese durch verschiedene Weichteileingriffe wie etwa Bandrekonstruktionen oder Muskelverlängerungen korrigieren.
  • Arthrodese:
    Bei bereits ausgeprägter Gelenksdestruktion, eventuell bereits in Kombination mit Gelenksfehlstellung, ist es oft erforderlich, zur Funktionsverbesserung und Schmerzbeseitigung das Gelenk zu versteifen (Arthrodese). Dies wird vor allem im Bereich der Finger, des Handgelenks und der Halswirbelsäule angewandt.
  • Resektionsarthroplastik:
    Eine weitere Methode, welche vor allem im Bereich des Daumensattelgelenks und an den Kleinen Gelenken des Fußes zur Anwendung kommt, ist die Resektionsarthroplastik, bei welcher das Gelenk operativ entfernt und ein Platzhalter aus körpereigenem Gewebe eingesetzt wird.
  • Endoprothese:
    Ebenfalls bei fortgeschrittener Gelenksdestruktion, aber noch guter Funktion, kommt der künstliche Gelenksersatz (Endoprothese) zum Einsatz. Dieser wird vor allem bei größeren Gelenken wie Hüfte, Knie oder Schulter angewandt, um das Ziel der Schmerzfreiheit und Funktionsverbesserung zu erreichen.

Nachsorge

 Das Ziel der postoperativen Rehabilitation ist, eine möglichst gute Beweglichkeit und somit auch Funktion zu erhalten. Es ist daher erforderlich, sobald der Wundheilungsprozess es zulässt, mit einer intensiven Physiotherapie, gegebenenfalls in Kombination mit einer Ergotherapie, zu beginnen. Ein langfristig optimales Ergebnis ist, wie bereits erwähnt, nur durch eine Fächer übergreifende Betreuung gewährleistet.
 

Weiterführende Links:

Rheuma2015.jpg

 
Letzte Aktualisierung: 20.04.2018