Das Knie ist das komplexeste Gelenk unseres Körpers.

Sektion Knie

Leitung ​Assoz. Prof. PD Dr. Patrick Sadoghi
​1. Stv. OA DDr. Ines Vielgut
​2. Stv. OA Dr. Michael Peter Novak

 

Allgemeines

Das Knie ist das komplexeste Gelenk unseres Körpers. Es zeigt nach dem Hüftgelenk am häufigsten degenerative Veränderungen, die im Endstadium fast immer mit einer Abweichung der Beinachse einhergehen.
Wie beim Hüftgelenk werden Körpergewicht und die notwendigen stabilisierenden Muskelkräfte abgeleitet, sodass die Gelenksfläche mit dem 3- bis 5-fachen Körpergewicht belastet wird. Diese Kräfte überwiegen beim Gehen an der Innenseite des Kniegelenkes, daher treten dort wesentlich häufiger Symptome bzw. degenerative Veränderungen auf.
Man unterscheidet sekundäre Gonarthrosen, die aufgrund einer vorangegangenen Schädigung entstehen (z.B. O-Beinstellung, rheumatische Erkrankung, posttraumatische Gelenksschäden oder Fehlstellungen, Meniskusentfernung etc.) von primären Gonarthrosen, die ohne erkennbare Ursache entstehen. Im Gegensatz zum Hüftgelenk begünstigt Übergewicht die Entstehung einer Kniegelenksabnützung.

Symptome

Schmerzen im Gelenksbereich treten anfänglich nach stärkerer Belastung auf, später während der Belastung und schließlich auch in Ruhe und können mit einer Gelenksschwellung einhergehen. Nach Monaten bis Jahren entsteht eine nicht schmerzbedingte Bewegungseinschränkung durch Schrumpfung der Gelenkskapsel. Die Beinachse weicht im fortgeschrittenen Stadium meist ab, wesentlich häufiger entsteht dabei ein O-Bein als ein X-Bein.
Eine akute Schmerzzunahme, zumeist mit deutlicher Schwellung, ist Ausdruck einer aktivierten Arthrose. Akuter Gelenksschmerz ohne vorangegangene Beschwerden weist hingegen auf eine Durchblutungsstörung des Knochen hin (so genannte Knochennekrose).

Diagnose

Die Anamnese (die Vorgeschichte der Erkrankung eines Patienten) weist den Weg.
Bei einer Kniegelenksarthrose zeigt die klinische Untersuchung Beinachsenabweichungen, verminderte Beweglichkeit zur Gegenseite mit Bewegungsschmerz, sowie Druckschmerz sowohl über dem Gelenksspalt als auch an den Rändern der Gelenksflächen und häufig hinter der Kniescheibe.
Eine "avaskuläre Nekrose" muss bei isoliertem Druckschmerz über einer Kniegelenksrolle, meistens der inneren, vermutet werden.
Das Röntgenbild zeigt die Lokalisation und das Ausmaß der Arthrose. Die "avaskuläre Nekrose" im Anfangsstadium lässt sich nicht auf einem Röntgenbild erkennen, hier ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig.

Konservative (nicht-operative) Therapie

Das Ziel ist die Vermeidung von Folgeschäden bzw. solche hinauszuzögern oder zu lindern:
  • Schuhranderhöhung von 5 mm (Außenrand beim O-Bein):
    vermindert die Belastung an der betroffenen Stelle bis zu 30 %
  • Silikonfersenkeile:
    vermindern die Stoßbelastung beim Fersenkontakt
  • Entzündungshemmende (Antiphlogistische) Therapie:
    unterbricht den durch die Abriebpartikel entstandenen entzündlichen Kreislauf und vermindert damit nachhaltig die Gelenksschmerzen
  • Stimulierung der Knorpelregeneration:
    bis zur mittelgradigen Arthrose sinnvoll; die entsprechenden Medikamente führen häufig zu mittelfristigen Schmerzlinderungen, der Nachweis der erfolgreichen Knorpelregeneration fehlt allerdings (Cochran Review 2005).
Bei der "avaskulären Nekrose" besteht im Initialstadium (Knochenmarksödem) die Möglichkeit einer Infusionstherapie (Ilumedin®), deren Wertigkeit aber noch nicht sicher bekannt ist. Das Bein muss in jedem Fall sechs Wochen entlastet werden.

Operative Therapie

Die Entlastungsbohrung ist im Frühstadium der "avaskulären Nekrose" das Mittel der Wahl.
Korrekturen der Beinachse (Umstellungsosteotomie) sollen erwogen werden, wenn dadurch die Implantation einer Kniegelenksprothese mit größter Wahrscheinlichkeit verhindert werden kann oder die Korrektur eine notwendige Kniegelenksprothese erst möglich macht. Die Indikation zur Hinauszögerung einer Kniegelenksprothese wird wegen der deutlich schlechteren kombinierten Ergebnisse nicht mehr empfohlen.
  • Ein O-Bein wird am Schienbeinkopf korrigiert - entweder unter Entnahme eines Knochenkeiles von außen oder durch Aufspreizen an der Innenseite. Bei fehlenden radiologischen Arthrosezeichen wird die Beinachse auf ein X-Bein von 1-2° eingestellt, bei manifester Arthrose muss hingegen auf ca. 5° eingestellt werden, diese X-Beinstellung ist deutlich erkennbar. Die Stabilisierung erfolgt mit Platten oder Klammern.
  • Die Korrektur eines X-Beines muss eine horizontale Gelenksebene ergeben und darf keinesfalls zu einer O-Beinstellung führen. Möglich sind Techniken kniegelensnahe entweder oberhalb der Kniegelenksrollen bzw. am Scheinbeinkopf.
Kniegelenksteilprothesen sind indiziert, wenn nur eine Gelenkshälfte betroffen ist, die Kreuzbänder intakt sind und keine relevanten Schmerzen von Kniescheibenabnützung herrühren. Die Implantation erfolgt über einen 5 bis 7 cm langen Schnitt und ermöglicht uneingeschränkte Vollbelastung, allerdings sind die Langzeitergebnisse schlechter als bei der Totalendoprothese.
Totaler Knieoberflächenersatz:
Hier werden innere und äußere Gelenksfläche sowie das Gleitlager für die Kniescheibe mit demselben Implantat ersetzt. Der Zugang ist ausgedehnter, störende Knochenneubildungen und Bandverkürzungen werden ebenso ausgeglichen wie die Beinachse.

Nachsorge

Entlastungsbohrung: Entlastung für sechs Wochen, das Kniegelenk kann frei durchbewegt werden.
Korrekturen der Beinachse (Umstellungsosteotomie): Entlastung für sechs Wochen, das Knie kann durchbewegt werden, dann Röntgenkontrolle, dann Belastungsbeginn, kein Sport für drei Monate, Plattenentfernung notwendig.
Kniegelenksteilprothese: Vollbelastung, Wundschmerz und Schwellung sind gering, sodass zumeist nach ein bis zwei Wochen eine normales Gangbild erzielt werden kann.
Totaler Knieoberflächenersatz: Mobilisation mit zwei Unterarmstützkrücken, bis eine seitengleiche Belastung der Beine erreicht wird. Innerhalb von sieben Tagen sollten 90° aktive Kniegelenkbeugung erreicht werden; falls nicht, werden hinderliche Verklebungen durch eine Mobilisation des Kniegelenkes in Kurznarkose gelöst. Die Ausfallsraten moderner Prothesen liegen deutlich unter 10% pro 10 Jahren.


Sektion Knie Jahresbericht.pdfJahresbericht 2018_Sektion Knie

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Letzte Aktualisierung: 20.04.2018